Bildungspolitik in Deutschland- eine Bestandaufnahme

Bildungspolitik gehört in Deutschland seit vielen Jahren zu denjenigen Themen, welchen durch Politik, Medien und Wirtschaft ein hohes Maß an Aufmerksamkeit geschenkt und damit scheinbar höchste Priorität eingeräumt wird. Für den objektiven Betrachter entsteht der Eindruck eines dringlichen, politischen Handlungsbedarfs.

Man sollte meinen, dass ein Thema, das längst -über Parteigrenzen hinweg- von der Politik als Problembereich identifiziert wurde, irgendwann abschließend bearbeitet und das Problem vergleichsweise zufriedenstellend gelöst ist, so dass mittelfristig nur noch an kleinen Schräubchen gedreht werden muss. Doch die Beständigkeit und Hartnäckigkeit, mit der sich das Thema in öffentlichen Debatten hält, weist genau auf das Gegenteil hin.

Ist diese Paradoxie ein unmissverständliches Indiz für permanentes Versagen der Bildungspolitik in Deutschland?

"An der Bildung darf nicht gespart werden."

Diesen Satz könnte man -ohne zu zögern- Vertretern aller politischen Parteien in den Mund legen. Das gilt selbst in Zeiten, in denen unser Staat höchste Sparanstrengungen zu meistern hat. Die Bildungspolitik steht in Deutschland nur selten als mögliches Sparpotential im Fokus der Debatten, wenigstens verbal nicht.

Handelt die Poltik auch tatsächlich nach diesem einvernehmlichen Credo?

Bildungsmisere wird überwiegend als Problem der unteren sozialen Schichten betrachtet. Deshalb ist es geradezu paradox, durch Einführung von Studiengebühren die Hemmschwelle für den Zugang zu höherer Bildung genau in diesen gesellschaftlichen Problemgruppen noch zusätzlich zu erhöhen, um anschließend vermehrte Investitionen in die Bildung genau dieser Gruppen zu debattieren.

Glaubt man den öffentlichen Kommentatoren, dann kann das anhaltende Problem eines Ansteigens des Niedriglohnsektors nur über vermehrte Investitionen in Qualifikation und Bildung gelöst werden. Dieser Gedanke suggeriert das Idealbild einer Gesellschaft, in der es keine Reinigungsdienste, keine Briefträger, keine Pförtner, keine Friseure und auch keine anderen Berufe gibt, welche zuletzt zu den Risikogruppen gehörten, die trotz Erwerbsarbeit auf staatliche Zuschüsse angewiesen waren.

Ein Wirtschaftsraum, in dem einfache Arbeiten, für die vergleichsweise geringe Qualifikationen notwendig sind, aber nicht die Mehrheit sind, ist realistischerweise undenkbar und wäre vor allem dauerhaft auch nicht überlebensfähig. Selbst eine optimale Bildungspolitik in Deutschland löst das Problem zu geringer Löhne nicht.

Probleme können immer nur dort gelöst werden, wo deren Ursachen liegen.


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